Motivation

Mit der Umsetzung der EG-Dienstleistungsrichtlinie steht die deutsche Verwaltung vor einer großen Herausforderung und Chance. Neben der Implementierung der konkreten Umsetzungsvorgaben sollen nach dem Willen der Bundesregierung die bisherigen Bemühungen zum Aufbau von eGovernment-Strukturen durch die EG-Dienstleistungsrichtlinie einen deutlichen Schub erfahren.

Aus diesem Grund wurden von Bund, Ländern und Kommunen mehrere einschlägige Projekte initiiert, wobei insbesondere das Deutschland Online Vorhaben "IT-Umsetzung der EG-Dienstleistungsrichtlinie" zu erwähnen ist. Ziel dieses Vorhabens war es, bis Mitte 2008 ein Modell ("Blaupause") für die IT-Umsetzung der EG-Dienstleistungsrichtlinie zu entwickeln und dieses anschließend zu erproben. Mit der Blaupause wurden die infrastrukturellen Anforderungen auf nationaler Ebene und im europaweiten Kontext definiert, die erforderliche IT-Unterstützung für die medienbruchfreie Verfahrensabwicklung beschrieben, eine geeignete IT-Architektur entwickelt sowie technische Standards, insbesondere im Hinblick auf Schnittstellen, vorgeschlagen. Die Basis für die IT-Unterstützung sind die im Rahmen der Dienstleistungsrichtlinie zu unterstützenden Geschäfts- bzw. Verwaltungsprozesse von der Antragstellung bis zur Genehmigung.

Obwohl in vielen Kommunen, Ländern und auch beim Bund relevante Geschäfts- bzw. Verwaltungsprozesse aufgenommen und dokumentiert worden sind, ist es derzeit ausgesprochen schwierig, einen umfassenden Überblick über die relevanten Prozesse und deren IT-Unterlegung zu erhalten. Von einer »Bibliotheca Alexandrina« der deutschen Verwaltungsprozesse ist Deutschland bisher weit entfernt. Es finden sich zwar auf der einen oder anderen Verwaltungswebseite Beispiele für Musterprozesse (1) , aber ein Portal im Sinne einer Kollaborationsplattform zur Zusammenführung von Prozessmodellen ist bisher nicht verfügbar.

1 Siehe z.B. http://www.cio.bund.de